Affiliates und die Umsatzsteuer

10. June 2007

In den letzten drei bis vier Stunden habe ich mich mit der Vorsteueranmeldung für den Monat Mai beschäftigt, schließlich ist heute wieder Deadline – wie jeden Monat.
Zuletzt war diese Prozedur schon fast zur Routine geworden. Doch diesmal beschäftigte/quälte mich die Steuer besonders lang. Somit kommt es nun auf zwanzig Minuten auch nicht mehr an, was zu diesem Beitrag führt.

Zur Geschichte

Im späten Sommer letzten Jahres entschloss ich mich, es mal als Affiliate zu versuchen. Der Anfang war zwar beschwerlich aber als es sich nach etwa zwei Monaten zu lohnen begann, meldete ich pflichtgemäß ein Gewerbe an. Daraufhin erkundigte sich, wie es üblich ist, das Finanzamt bei mir nach einigen Informationen.
Im Wesentlichen geht es dabei um die Entscheidung: Wird man Kleinunternehmer oder nicht? Bei Kleinunternehmern wird keine Umsatzsteuer erhoben.

Die Umsatzsteuer wird nicht erhoben, wenn der Umsatz zuzüglich der darauf entfallenden USt im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird (Kleinunternehmerregelung)

Quelle: Wikipedia

Ich dachte mir, so viel wird es ohnehin nicht und ich wollte zunächst einmal möglichst wenig Aufwand haben, daher entschied ich mich für die Kleinunternehmerregelung. Somit hatte ich zumindest im Jahr 2006 keine Steuer-Sorgen mehr.

Anfang 2007 hat sich jedoch herausgestellt, dass es mit den Umsatzgrenzen eng wird – zumal ich seit April nicht weiter bei Spreadshirt angestellt bin, sondern dieses Einkommen auch unter meinem Gewerbe läuft. Daher habe ich Ende Februar eine Umsatzsteuer-Identnummer beantragt und im März erhalten. Fortan würden mir die Affiliate-Netzwerke also auch die Umsatzsteuer auszahlen und ich könnte auch Vorsteuer geltend machen.
Doch nicht nur das: ich war rückwirkend zum 1. Januar umsatzsteuerpflichtig geworden und bin aufgefordert worden, schleunigst mal Umsatzsteuervoranmeldungen einzureichen sowie die Umsatzsteuer auf alle Umsätze in 2007 abzuführen.
Das ist insbesondere deshalb interessant, weil somit Geldbeträge fällig werden, die man selbst nie erhalten hat (eigentlich ist die Umsatzsteuer für Unternehmer ja ein durchlaufender Posten ohne Gewinnwirkung).
Glücklicherweise sind die Einkommens-Quellen eines Affiliates in den ersten Monaten überschaubar. Somit besteht die Möglichkeit, sich an die entsprechenden Affiliate Netzwerke zu wenden und sich die Umsatzsteuer nachträglich auszahlen zu lassen. So einfach jedenfalls in der Theorie.

Die Netzwerke in der Einzelkritik

Tradedoubler
Nachdem ich mich mit dem Thema zwangsweise beschäftigen musste, habe ich festgestellt, dass Tradedoubler von Anfang an die Umsatzsteuer ausgezahlt hat – auch zu jener Zeit, als ich noch Kleinunternehmer war. Man scheint da keinen Unterschied zu machen, was wohl eigentlich nicht richtig ist. Glücklicherweise erhielt ich von Tradedoubler 2006 nur eine einzige (und sehr kleine) Auszahlung, so dass das Drama nicht allzu groß sein dürfte, wenn mir das nochmal auf die Füße fallen sollte.
Da es hier keiner Nachzahlung bedurfte, konnte TD nicht viel falsch machen.

Commission Junction
Hier habe ich ausschließlich mit dem Support über das Kontaktformuluar kommuniziert. Es gingen einige E-Mails hin und her, die Antworten waren meist aussagekräftig und kamen jeweils innerhalb von 24 Stunden. Dass sich das Thema trotzdem etwas hinzog, lag eher an mir. Kurz nachdem ich die Rechnung an CJ geschickt hatte, meldete sich auch schon Wolfgang persönlich bei mir. Thumbs up!

Affili.net
Hier lief zunächst gar nichts. Meine Support-Anfrage wurde einfach ignoriert. Erst als ich in Markus’ Support-Test-Beitrag kommentierte, meldete sich jemand persönlich bei mir und leitete das Thema an das Billing weiter. Leider zog sich alles noch ewig hin und erst auf weitere Nachfragen hin, ist ein Betrag überwiesen worden (Ende Mai – nach zwei Monaten). Leider ist der Betrag meines Erachtens nicht ausreichend, da man die Januar-Auszahlung nicht berücksichtigt hat. Ich vermute es liegt daran, dass Affilinet die Rechnung immer auf den letzten Tag des Vormonats (Dez06) datiert – nur leider werde ich nach dem Zufluss-Prinzip (Jan07) besteuert. Ich hoffe das klärt sich noch.

Zanox
Zanox hat den Vogel leider komplett abgeschossen. Ich habe insgesamt drei E-Mails an den Support geschrieben und auch zweimal angerufen. Die E-Mails wurden komplett ignoriert und bei den Telefonaten vertröstete man mich auf einige Tage später – jedoch geschah nie etwas.
Nach etwa sechs Wochen hatte ich Zanox richtig satt und mich an einen Account Manager (für Merchants zuständig) gewendet, den ich noch von meiner Arbeit bei Spreadshirt kannte. Daraufhin hat es keine zwei Tage gedauert, bis ich eine persönliche Account Managerin hatte, die sich dem Thema angenommen hat. Zwar ist es in dieser Kommunikation leider auch zu Mißverständnissen gekommen, die eine Auszahlung weiter hinauszögerten, doch ich bin zuversichtlich, dass das Thema Umsatzsteuer-Rückzahlung Ende Juni nach etwa vier Monaten abgeschlossen werden kann.

Wie sich das auf meine USt-Voranmeldung auswirkt

Wie schon erwähnt, musste ich bereits im April die Umsatzsteuer für die Monate Januar – März abführen, ohne sie bis dahin eingenommen zu haben. Insofern kann sich da für den ein oder anderen Affiliate ein Cash-Flow-Problem ergeben.
Zu dieser grundsätzlichen Problematik kam noch erschwerend hinzu, dass die Mehrwertsteuer in diesem Jahr erhöht worden ist, jedoch noch Provisionen aus 2006 bis in den März hinein ausgezahlt worden sind.
Leider haben die Netzwerke erst sehr spät (z.T. erst mit der Auszahlung) kommuniziert, für welche Provisionen 16% oder 19% anfallen. Das handhabt nämlich jedes Netzwerk anders und lässt sich auch nicht immer selbst errechnen. Somit habe ich vorsichtshalber auf alle Provisionen 19% abgeführt – also zu viel, was nun wieder zu Umsatzsteuer-Berichtigungen und Rückforderungen an das Finanzamt führt.

Übrigens sei an dieser Stelle erwähnt, dass international ausgerichtete Netzwerke wie Tradedoubler und Commission Junction die Umsatzsteuer-Frage ganz unterschiedlich handhaben. Während Tradedoubler nur auf deutsche Umsätze USt aufschlägt, werden ausländische Provisionen netto ausgezahlt. Hier gibt es auch für jedes Land eine separate Überweisung.
Im Gegensatz dazu schlägt Commission Junction auf alle Provisionen die deutsche USt auf und zahlt nur einmal aus.

Ratschlag für angehende Affiliates

Sollten hier auch angehende Affiliates (oder andere Selbständige) mitlesen, die noch kein Gewerbe angemeldet haben, rate ich auf Grund meiner eigenen Erfahrungen Folgendes:

Sobald Ihr loslegt, müsst Ihr ein Gewerbe anmelden, dann kommt die Kleinunternehmer-Frage in jedem Fall auf Euch zu. Sofern Ihr es Ernst meint und nicht nur ein bisschen herumprobieren wollt, empfehle ich, von Beginn an für die Umsatzbesteuerung zu optieren. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • 19% mehr Auszahlung durch Netzwerke –> werden gleich wieder abgeführt –> keine Nachteile auf Einnahme-Seite
  • Gleichzeitig kann Vorsteuer abgezogen werden –> das senkt die Ausgaben
  • Durch die USt-Voranmeldung müsst Ihr Euch monatlich mit der Steuer befassen uns seid somit für die jährliche Steuererklärung (die kommt sowieso) gewappnet
  • Ihr erspart Euch den Stress der Umstellung, sobald Ihr die Umsatzsteuer-Grenzen überschreitet (bei Erfolg kommt das mit Sicherheit)
  • Der Vorsteuerabzug fällt bei mir momentan sehr gering aus. Mein mit Abstand größter Auswandsposten ist Google Adwords, für das keine deutsche Umsatzsteuer anfällt. Mit der Umsatzsteuerpflicht, müsst Ihr an Google allerdings auch nicht mehr die irische USt in Höhe von 21% zahlen. Das steigert die Profitabilität einer Adwords-Kampagne gewaltig ;)

    Fragen, Ratschläge und sonstige Anmerkungen in den Kommentaren sind sehr willkommen.

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    Feedbacks zu Affiliates und die Umsatzsteuer:

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    • Markus says:

      Sehr interessanter Bericht.

      >Tradedoubler und Commission Junction die Umsatzsteuer-Frage ganz unterschiedlich handhaben

      Das liegt daran, dass Tradedoubler in vielen europ. Ländern eigene Niederlassungen hat, über die dann auch die Abrechnung der jeweiligen Partnerprogramme läuft. Die österreichischen Partnerprogramme laufen aber z.B. mit Deutschland mit – d.h. dafür wird auch deutsche USt. bezahlt (nehm ich zumindest an, nachdem ich keine österreichische dafür bekomme).

    • Patrick says:

      Hi Markus,

      so ist es. Tradedoubler unterhält offenbar separate Firmen in vielen Ländern.
      Mein Geld bekomme ich somit immer von TD GmbH, TD Ltd. und TD AS überwiesen.

    • [...] Kleiner Nachtrag zum Umsatzsteuer-Beitrag von letzter Woche: das Thema ist nun abgeschlossen, nachdem de letzten offenen Beträge von affili.net und zanox überwiesen worden sind. [...]

    • Henning says:

      Hallo Patrick, hoch interessanter Artikel! Und klasse, daß du dich bei mir registriert hast. Freue mich auf zahlreiche weitere Fach-Kommentare. Außerdem werde ich deinen Blog auch gleich mal bookmarken :)

      Grüße,
      Henning

    • Patrick says:

      Heiße Dich als Leser willkommen! Hoffe, Dich halten zu können ;)

    • Snup says:

      Mir hat Zanox gerade eben am Telefon erklärt rückwirkend “dürften” sie gar keine Rechnungen neu ausfertigen. Warum das so wäre wüßte er auch nicht. Da könnte man Nichts machen.
      Affilinet dagegen sehr positiv. Zitat: “Kein Problem, dauert maximal eine Woche”.

    • Patrick says:

      Den Zanox Service kannst Du in dieser Hinsicht echt vergessen. Ich würde mir einen direkten Ansprechpartner suchen (zB über Xing) und Druck machen.

      Bei mir hat’s letztendlich bei allen Netzwerken geklappt.

    • David Weber says:

      Da ich gerade mit selbigem Thema konfrontiert bin und man bei Tradedoubler oder Affilinet im Gegensatz zu Zanox die Zahlungen nicht aussetzen kann, hier mal der FAQ-Eintrag für Tradedoubler:

      Ich verfüge über eine UST-Registrierung, kann ich rückwirkend die UST beanspruchen?
      Bitte senden Sie eine Kopie Ihrer UST-Registrierung an unseren Hauptsitz in Schweden. Faxen Sie diese zusammen mit einem Deckblatt, das den Zweck Ihres Fax darlegt, bitte an die Faxnummer: 0046 840 508 44.
      Vergewissern Sie sich, ob Sie Ihren Benutzernamen und Ihre Publisher- bzw. Affiliate-ID angegeben haben. Bitte stellen Sie dies deutlich dar und richten Sie es an unser Finance Team.

    • anonym says:

      Guter Artikel. Zum Quälen durch die Steuerfragen mein Tipp:
      ich habe mich nach kurzer Zeit entschieden, einen Steuerberater hinzuziehen. Kostet zwar je nach Aufwand ca. 100 Euro im Monat (absetzbar), spart aber enorm viel Zeit und Nerven, die man besser ins Unternehmen steckt!
      Der Steuerberater bekommt einfach monatlich einen Schuhkarton voller Rechnungen und ich bekomme eine solide Abrechnung.

    • Patrick says:

      das mache ich mittlerweile auch ;)

    • Florian says:

      Hallo Patrick,

      also hast du im Nachhinein noch alle Umsatzsteuern erhalten?
      Denke das steht mir auch noch bevor..

    • Patrick says:

      Ja, habe ich. Also lass Dir nicht erzählen, dass das nicht geht ;-)
      Musst aber immer dranbleiben und nachhaken.

    • Florian says:

      Und musstest viel nachzahlen? bzw. weiterleiten?
      Gibt es da ein zeitliches Limit? z.B. für 2008 Umsatzsteuer nachverlangen?

      Generell zahlen die Anbieter dann die Umsatzsteuer mit aus und du gibst sie quasi weiter und zahlst zudem Einkommenssteuer, richtig?!

      Thema Affiliate ist ja recht interessant, sollte ich mich mal mit auseinandersetzen. Sollte sich lohnen, hoffentlich :)

    • Patrick says:

      Ein zeitliches Limit gibt es meines Wissens nach nicht. Sobald feststeht, dass Du umsatzsteuerpflichtig wirst, sollte man sich an die Netzwerke wenden. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird’s, sie zum Mitmachen zu bewegen.

      Umsatzsteuer wird ausgezahlt und direkt ans FA weitergeleitet. ESt wird zusätzlich gezahlt, genau.

    • Steffi says:

      Hallo,

      toller Seite,und danke für den sehr informativen Text.

      Allerdings hätte ich diesbz. eine Frage,

      ich arbeite Vollzeit,habe einen Nebenjob,und möchte über zanox/affili.net die ich erst neulich entdeckt habe,ein paar Groschen dazu verdienen :)
      Es wären kleine Beträge,ca. 50-100 Euro im Monat wenn überhaupt.

      Was würdet ihr mir raten,sollte ich einen Gewerbeschein anmelden,ist es überhaupt in meinem Fall nötig?
      Und wie viel müsste ich davon versteuern?

      Danke fürs Lesen,

      mfg
      Steffi

    • Patrick says:

      Hi Steffi,

      es kommt auf Deine Ziele an. Wenn Du tatsächlich beabsichtigst, langfristig Gewinne zu erzielen, solltest Du wohl ein Gewerbe anmelden.
      Handelt es sich um eine sogenannte Liebhaberei, wenn Du also nur ein Hobby ausübst und ein bisschen herumprobierst, geht es wohl auch ohne.

      Grüße
      Patrick

    • Christian says:

      Hallo Patrick,

      habe genau das gleiche Problem wie du damals und bin hier nur am abtelefonieren & co. Bei affili.net habe ich noch niemanden erreicht, kleiner Affiliate-Netzwerke machens schon.
      Bei Zanox hatte ich jetzt jemanden dran, der meinte ich solle eine Rechnung stellen.
      Wie mache ich das denn jetzt? Habe oben gelesen, du hast auch eine gestellt?
      Was schreibe ich denn rein?
      Dienstleistung: Betrag:
      Umsatzsteuer (?!) 135,47€
      Kannst du mir da ein Beispiel geben?
      Vielen lieben Dank und danke für deinen Artikel!

      Liebe Grüße aus Köln
      Christian

    • Patrick says:

      Hallo Christian,

      die Antwort bekommst Du gleich per Mail.

      Grüße
      Patrick

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